Oberhausener Theaterpreis

Am 15. September 1995, dem 75. Geburtstag des Theater Oberhausen wurde er zum ersten Mal vergeben. Der Oberhausener Theaterpreis, initiiert durch den Freundeskreis theater.für.oberhausen e.V., ist seither ein jährlicher, fester Bestandteil des Oberhausener Theaterlebens.

Als Auszeichnung für besondere künstlerische Leistungen in der jeweils zurückliegenden Spielzeit wurden und werden drei Jury-Preise verliehen, die derzeit mit  3.000, 2.000 und 1.000 Euro dotiert sind. Juroren sind vier lokale und regionale Theaterkritiker*innen sowie der Vorsitzende des Freundeskreises, die im Idealfall alle Produktionen der Spielzeit gesehen haben. Preisträger*innen können Schauspieler*innen, Regisseur*innen, Bühnen-oder Kostümbildner*innen, Dramaturg*innen oder in anderer Weise künstlerisch an der Produktion beteiligte Personen sein. Ergänzt werden diese drei Preise durch den mit 500 Euro dotierten Günther-Büch-Nachwuchspreis, den die Familie des in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts in Oberhausen tätigen Dramaturgen und Regisseurs seit einigen Jahren ausgelobt hat.

Auch das Theaterpublikum ist beteiligt. Es wählt in jeder Spielzeit den beliebtesten Schauspieler bzw. die beliebteste Schauspielerin, der bzw. die den mit  2.000 Euro dotierten Publikumspreis erhält. Hierzu findet in den letzten drei Monaten einer jeden Spielzeit im Theater eine geheime Abstimmung ab, bei der jeder Theaterbesucher eine Stimmkarte ausfüllen und in eine Wahlurne werfen kann.

Inzwischen gibt es über 100 Preisträger*innen des Oberhausener Theaterpreises. Sie alle aufzuzählen würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Aber die Verleihung des Preises findet in der Regel auch Eingang in die jeweilige Künstlerbiographie.

Möglich ist die Verleihung des Oberhausener Theaterpreises nur dank der großzügigen und auch kontinuierlichen finanziellen Förderung durch Oberhausener Unternehmen und Institutionen, die hierfür in den letzten 20 Jahren mehr als 100.000 Euro aufgebracht haben. Dies ist auch ein nicht zu unterschätzendes Zeichen der Wertschätzung der Oberhausener Wirtschaft für das Theater Oberhausen. Hierfür sagt der Freundeskreis theater.für.oberhausen allen Unterstützer*innen noch einmal ein herzliches Dankeschön.

Oberhausener Theaterpreis 2018
Die Begründungen der Jury


1. Preis
Dotiert mit 3.000 € gesponsert von MAN Energy Solutions SE
an Anna Polke, Schauspielerin
Begründung der Jury von Stefan Keim

Ein Monolog in direktem Kontakt mit den Zuschauern - für Anna Polke ist das kein Problem. In vielen Kinderstücken hat sie schon die sogenannte dritte Wand durchbrochen, sie nimmt das Publikum in ihrem Spiel wahr, bleibt offen und führt dabei souverän durch die Handlung. Die Rolle als Krankenschwester in Christian Frankes Stück "Das dritte Leben des Fritz Giga" ist ihr auf den Leib geschrieben. Mit feiner Komik, aufrichtigem Gefühl und perfektem, minimalistischem Spiel erzählt sie als erfundene Figur die wahre Geschichte eines Oberhausener Antifaschisten. In der Videoinstallation "Schuld und Sühne" ist sie in einer völlig anderen Rolle zu sehen, als misstrauische, lauernde, bedrohliche Mutter, eine dunkle Autorität. Anna Polke ist eine außergewöhnliche Schauspielerin und seit 26 Jahren im  Ensemble. Über ihre Rollen hinaus sorgt sie für Zusammenhalt, sie fotografiert ihre Kolleginnen und Kollegen, hält  enge Kontakte zum Publikum. Bei jemand anderem wäre die Formulierung vielleicht kitschig, auf Anna Polke trifft sie hundertprozentig zu - sie ist nicht nur eine wunderbare Schauspielerin, sondern ein großer Teil der Seele des Theaters Oberhausen.

2. Preis
2.000 € gesponsert von der WBO GmbH
an Bert Zander, Regisseur
 Begründung der Jury von Ralph Wilms

Man dürfte, technisch gesehen, „Schuld und Sühne“, diese einzigartige theatrale Filminstallation als Bert Zanders „Regiedebüt“ bezeichnen. Aber das klänge wie eine Frechheit. Schließlich ist diese ganz neue Verschränkung von Bühnenschauspiel und Filmkunst nicht das Werk eines Anfängers. Es ist das Werk eines erfahrenen Meisters.
Seit 18 Jahren arbeitet Bert Zander als freier Videogestalter für die großen deutschsprachigen Bühnen.  Seine Filmbilder haben die Inszenierungen nicht bloß „gepimpt“, damit rund um die gute, alte Drehbühne ein bisschen neuzeitlicher Chic funkelt. Sie haben das Schauspiel um eine weitere Dimension bereichert.
Nirgendwo war das so eindrucksvoll zu sehen wie in „Schuld und Sühne“ nach Fjodor Dostojewski. Es ist nämlich nicht Video im Overkill-Einsatz – obwohl Christian Bayer als einziger Live-Schauspieler erst nach rund 20 Minuten zwischen den Projektionswänden erscheint. Es ist immer noch Theater – großes und großartiges Theater. Schließlich ist das gesamte Oberhausener Ensemble beteiligt. Plus einige Gäste mit Renommee. Plus viele Bürger von 10 bis 80 Jahren als souveräne Erzähler.
Und Bert Zander lässt die Theaterprofis auch auf der Leinwand wie Schauspieler des Theaters agieren: nah und intensiv und eindringlich. Nein, „Schuld und Sühne“ ist eindeutig kein Kino – auch wenn der Theater-Enthusiast „sein“ Ensemble hier mal noch größer erlebt als selbst aus der ersten Reihe im Großen Haus. „Theatrale Filminstallation“ ist ein etwas hüftsteifer und hoffentlich vorläufiger Begriff für diese neue Form darstellender Kunst, die wir Bert Zander zu verdanken haben.
Und alles hat seine künstlerische Berechtigung, ist stimmig, ja zwingend für diesen Husarenritt durch 800 Seiten Weltliteratur. Das gilt für die Einsamkeit des Solisten Christian Bayer als Mörder Raskolnikow. Das gilt für die von allen Seiten auf ihn eindringenden Stimmen: Mit jenen 15 fahlen Geistern lieferte das Ensemble konturscharfe Gemmen seiner Porträtkunst.
Und nicht zuletzt hat Bert Zander mit Elan und ansteckender Begeisterung bei den Oberhausenern für sein Herzensding geworben – und viele Mitmacher gefunden. So honoriert dieser Theaterpreis auch das große Anliegen des neuen Teams, in die Stadtgesellschaft hineinzuwirken. Mit „Schuld und Sühne“ ist es zweifellos gelungen. Raw

3. Preis
1.000 € gesponsert von  der Firma Nockmann und Gerstberger
An Christian Bayer
Begründung der Jury von Arnold Hohmann

Wenn Theatergänger sich einen Schwank wie „Pension Schöller“ genehmigen, dann tun sie das vor allem in der Hoffnung, einem Schauspieler zu begegnen, der die Figur des Eugen Rümpel hingebungsvoll zu deklamieren weiß. Denn Rümpel, das ist in dem Stück der verhinderte Schauspieler, der Leider kein „L“ sprechen kann, das aber nicht recht wahrhaben. In Oberhausen wäre ihnen als Rümpel Christian Bayer begegnet, der vielleicht beste in dieser Rolle, seit Boy Gobert mit dieser Figur eine Kinoklamotte der 60-ger Jahre geadelte. Bayer ist als Rümpel eine wahrhafte Urgewalt, die da auf den Zuschauer hereinbricht. Er fängt langsam an, hat sich aber bis kurz vor der Pause dann derart eingewühlt in seinen nicht endenden Zitatenschatz, als wolle er die Zuschauer, auch ohne „L“, auf immer an die Sitze fesseln.
Dass Christian Bayer auch ganz anders kann, das beweist er in seiner Rolle als Mörder Raskolnikow in „Schuld und Sühne“. Hier ist er der einzige leibhaftige Schauspieler inmitten von vier Leinwänden, die ihm seine Mitspieler jeweils zuliefern. Er wandert durch das ihn umgebende Publikum, dem er diesen unglücklichen Mörder ungemein nahe zu bringen versteht. Bayer zeigt einen Menschen, der von Angst und Reue allmählich zerfressen wird, dem manchmal gar die Stimme brechen will. Über drei Stunden liefert dieser Schauspieler einen Kraftakt, der bei ihm fast spielerisch wirkt. Man freut sich auf die nächste Spielzeit, schon allein, um diesem Schauspieler wieder zu begegnen.      

Günther-Büch-Nachwuchspreis
500 € gesponsert von den Eheleute Rosalinde und Erhard Büch
an Emilia Reichenbach, Schauspielerin
Begründung der Jury von Sascha Westphal

Ich muss gestehen, an Babett Grubes zeitgenössische Überschreibung der »Antigone« erinnere ich mich eigentlich nicht so gerne. Und doch gab es eine Szene in dieser Inszenierung, die mich einfach nicht loslässt. Selbst heute, beinahe ein Jahr später, zaubert mir der Gedanke an sie ein Lächeln auf die Lippen, während sich zugleich Tränen der Rührung in meinen Augen sammeln. Es war dieser magische Moment, in dem sich der von Emilia Reichenbach gespielte Haimon voller Enthusiasmus in seine Träume von einem anderen, einem gewöhnlichen Leben hineinsteigerte. Während er sich mit all seiner Kraft an alberne Alltagsphantasien klammerte, ließ sich seine Darstellerin einfach in ihren Monolog hineinfallen und entledigte sich dabei aller Schutzmechanismen. In diesem an und für sich extrem kitschigem Moment fand Emilia Reichenbach zu einer anrührenden Wahrhaftigkeit. Ja, viele unserer Hoffnungen und Sehnsüchte sind bei Licht betrachtet banal und lächerlich. Aber das nimmt ihnen nichts von ihrer Macht über uns und unser Leben.
 
Furchtlos und forsch, herzzerreißend und natürlich, das sind die Adjektive, mit denen sich alle Auftritte Emilia Reichenbachs in ihrer ersten Spielzeit am Theater Oberhausen beschreiben lassen. Selbst in kleineren Rollen wie in Ibsens »Ein Volksfeind« hat ihr Spiel eine magnetische Anziehungskraft. Man fühlt sich ihren Figuren ganz nah, teilt ihre Ängste und ihre Träume. Sogar in der Rolle Gottes in Bert Zanders überwältigender Adaption von Fjodor Dostojewskis »Schuld und Sühne« strahlte sie etwas wunderbar Vertrautes aus. Plötzlich ergab der berühmte Satz, dass Gott den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen habe, Sinn. (saw)

Publikumspreis
2.000 € gesponsert von der Stiftung Kultur und Bildung der Stadtsparkasse Oberhausen
an Anna Polke, Schauspielerin

Mit einer Abstimmung durch das Publikum wird in jeder Spielzeit der beliebteste Schauspieler oder die beliebteste Schauspielerin des Theater Oberhausen gewählt.
In der Spielzeit 2017/18 entfiel die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen auf die Schauspielerin Anna Polke, die somit den Publikumspreis zum Oberhausener Theaterpreis 2018 erhält.

 

Oberhausener Theaterpreis 2017
Die Begründungen der Jury

 

1. Preis
3.000 Euro, gestiftet von der MAN Diesel & Turbo SE, Oberhausen

Hartmut Stanke für die Titelrolle in "Der Theatermacher" von Thomas Bernhard
und sein Lebenswerk am Theater Oberhausen

Hartmut Stanke als Theaterdirektor Bruscon. Ihn für diese Rolle zu loben und auszuzeichnen heißt eigentlich die sprichwörtlichen Eulen nach Athen zu tragen. Seine Sprechkunst, insbesondere seine makellose Diktion, macht ihn zu einem großartigen Vertreter dieser Paraderolle in Thomas Bernhards Stück Der Theatermacher. Wobei die Oberhausener Inszenierung von Peter Carp noch mehr auf die monologische Struktur der Rolle angelegt ist und die übrigen Darsteller auf eine nahezu stumme Aktion reduziert sind.  Dies bedeutet, das Hartmut Stanke das 100 Minuten dauernde Lamento über die Aufführung im legendären Utzbach  nicht nur fast allein tragen muss, sondern auch in großartiger Weise auch alleine trägt. Das Notlicht kann ruhig ausgeschaltet bleiben, denn Hartmut Stanke leuchtet mit seiner Stimme den Bernhardschen Text so differenziert aus, dass es eine wahre Freude ist ihm zuzuhören.

Damit reiht er diese Rolle in eine Reihe von großen und kleinen Darstellungen ein, mit denen er schon in den letzten Spielzeiten am Theater Oberhausen brillierte. Von den großen Rollen seien hier beispielsweise nur die Winterreise und Die Schutzbefohlenen von Elfriede Jelinek sowie der Oberst in Thomas Hürlimanns Das Gartenhaus angeführt. Insbesondere den sperrigen Jelinek-Texten hauchte er wahres Leben ein, was seine Interpretationen im Vergleich zu anderen Inszenierungen dieser Stücke deutlich heraus hob.

Hartmut Stanke ist seit 45 Jahren mit Unterbrechungen dem Theater Oberhausen verbunden. Schon ein den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts spielte er mit Horst Butschke und dem späteren Fernseh-Star Diether Krebs hier in der Komödie Charleys Tante und in dem damals aktuellen  Einpersonenstück Der Kontrabass von Patrick Süskind, mit dem er auch an den anderen Stationen seiner Theaterlaufbahn brillierte.

Mit der Verleihung des Oberhausener Theaterpreises 2017 sei ihm also nicht nur für seine Rolle des ?Theatermachers? von Thomas Bernhard, sondern auch für seine spezielle Theatermacherei am Theater Oberhausen in den vergangenen Jahrzehnten gedankt. (GL)

 

2. Preis
2.000 Euro, gestiftet von der WBO GmbH, Oberhausen
Thieß Brammer, Schauspieler
für die Darstellung des Bergmanns Martin in der Roam-Dramatisierung "GB 84" von David Peace

Ein geschätzter Kritiker-Kollege schrieb jüngst von einer ?kostbaren Miniatur?, als es galt, den (bis auf eine Szene) wortlosen Beitrag von Thieß Brammer in Bernhards ?Theatermacher? zu würdigen. Im Theater Oberhausen war Brammer in seinem zweiten Ensemble-Jahr keineswegs nur mit ?Miniaturen? präsent, so kostbar sie im Einzelnen sein mögen.

Vielmehr trägt das Spiel des 27-Jährigen die große Produktion ?GB 84?, Peter Carps aufwendigste Inzenierung seiner letzten Spielzeit. Und Thieß Brammer trägt dieses Totschlag-und-Manchester-Kapitalismus-Drama mit ausgefeilter Nuancierung - wo andere womöglich plakative Aktion erwartet hätten. Seine Rolle des Martin beginnt als die eines gläubigen Gewerkschafters, der seinem ?King Arthur? Scargill vollauf vertraut.

Doch daraus wird kein theatralisches Arbeiter-Denkmal - im Gegenteil. Der historische Verlauf dieses einjährigen Streiks macht aus dem Kämpfer eine tragische Dulder-Figur. Thieß Brammer zeichnet eindringlich diesen Kampf an mehreren Fronten: gegen die Provokateure (mutmaßlich des Geheimdienstes), gegen die materielle Not. Nicht zuletzt auch gegen die Bitterkeit seiner Frau, die den Glauben an Scargills Sozialismus viel früher verloren hat als er.

Zwischen einem Dramen-Personal, das bei ?GB 84? aus etlichen Zynikern der Macht besteht, opfert Thieß Brammers facettenreiches Spiel diese treue Seele Martin in keinem Moment der Lächerlichkeit. Als Zuschauer bleibt man stets bei ihm.

Und es ist nicht so, als ob ?GB 84? es uns leicht machen würde - Fakten-Bombardement, das es ist. Auch der junge Mann muss sich, wie das gesamte, größtenteils männliche Ensemble, einer uralten Bühnen-Konvention bedienen: muss an die Rampe treten und erzählen, was gerade passiert ist. Aber ? ?Hey!? ? Thieß Brammer macht das großartig. Sein Spiel lässt erahnen, was es in einem Menschen anrichtet, wenn aus dem Mut der Verzweiflung nach und nach die nackter Verzweiflung wird. Da war es nur konsequent, dass das Schlussbild des figurenreichen Dramas ganz allein diesem Martin gehört. Das Nordlicht Thieß Brammer gibt uns einen starken Kommentar zum sogenannten ?Strukturwandel?. Andere Theater als Oberhausen haben sich da noch nicht wirklich herangetraut. (raw)


3. Preis
1.000 Euro, gestiftet von der Nockmann & Gerstberger GmbH, Oberhausen
Eike Weinreich, Schauspieler für die Darstellung des Adam in Neil LaButes

"Das Maß der Dinge"

Adam ist das ideale Objekt für Eves Begierden. Ein Blick auf ihn reicht, und schon liegt alles offen da: seine Unsicherheit und seine Sehnsucht. Jemand wie er lässt sich ganz leicht manipulieren. Dafür braucht es nur ein bisschen Zuneigung und die Drohung, sie ihm wieder zu entziehen. Der Anglistikstudent ist Wachs in den Händen der angehenden Künstlerin. Und wie warmes Wachs lässt auch er sich formen. Eike Weinreichs Adam hat in diesen ersten Szenen von ?Das Maß der Dinge?, Neil LaButes recht zynischer Variation des ?Pygmalion?-Stoffes, etwas aufreizend Weiches an sich. Man möchte ihn in Schutz nehmen und zugleich für seine Passivität und Rückgratlosigkeit bestrafen. Und man ist sich sicher, dass der US-amerikanische Autor sich diese Figur genau so vorgestellt hat.

Es ist fast schon erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit Eike Weinreich zunächst in der Rolle, die ihm LaBute und seine fiktive Stellvertreterin Eve zugeschrieben haben, aufzugehen scheint. Aber das ist nur die eine Seite seines Spiels. Er, der seine Figuren immer ganz nah an sich heranholt, um sie sich dann auf eine ganz eigene Weise anzueignen, löst sich Schritt für Schritt von LaButes engem Konzept.

Andrea Loibners Inszenierung unterläuft den Zynismus des Stücks konsequent. Wo ?Das Maß der Dinge? auf klare Zuschreibung setzt, wo alles Schwarz oder Weiß ist, entdeckt die junge Regisseurin Grauzonen. Und dass ihr das so eindrucksvoll gelingt, verdankt sie Eike Weinreichs doppelbödigem Porträt eines Mannes, der sich befreit, indem er sich manipulieren lässt.

Wie Adam gleicht auch der von Trauer und Furcht gezeichnete Bauer Samuel Covey in Martin Kindervaters düsterer Inszenierung von Dawn Kings englischer Dystopie ?Foxfinder? einem offenen Buch. Mit jedem Blick und jeder Geste, mit jedem Schritt und jedem dahingegrummelten Satz zeichnet Eike Weinreich das Porträt eines geschlagenen Mannes. Und wieder täuscht der so präzise heraufbeschworene erste Eindruck. Unter der Oberfläche brodelt etwas. Was eindeutig wirkt, ist in Wahrheit trügerisch. Unter der Schwäche versteckt sich eine Stärke, an der die anderen nur zerbrechen können.

In beiden Inszenierungen vollbring t Eike Weinreich ein kleines Theaterwunder. Er zieht einen in den Bann von Figuren, die scheinbar kein Geheimnis haben. Und wenn man ihnen dann immer näher und näher kommt, offenbaren sich plötzlich Abgründe, in denen man sich verlieren kann. Wer ist nun der Verlierer in LaButes Planspiel, Adam oder Eve? Verliert Samuel schließlich den Verstand, oder sieht er am Ende klarer als alle anderen in diesem England der Verblendeten? Diese Fragen lassen einen wie Eike Weinreichs Spiel nicht mehr los. Sie verfolgen einen selbst Wochen und Monate später. (saw)


Günther Büch-Nachwuchspreis
500 Euro, gestiftet von den Eheleuten Erhard und Rosalinde Büch
Andrea Loibner, Regisseurin
für die Inszenierung des Stückes "Das Maß der Dinge" von Neil LaBute

Solche Stücke unterschätzt man leicht. Weil sie eine starke Handlung haben, klare Figuren, überraschende Wendungen. ?Das inszeniert sich von selbst?, sagen manche. Tut es aber nicht. Zumindest nicht, wenn man es so gut macht wie die 26jährie Andrea Loibner. Sie hat jede der vier Figuren sehr genau mit den Schauspielern entwickelt. Der Museumswärter Adam ist ein unsicherer junger Mann, in erotischen dingen nicht besonders erfahren, aber keinesfalls plump, ein Literaturstudent, hell im Kopf, aber auch überfordert und verkehrbar. Eike Weinreich spielt ihn. Und die junge Frau Lise Wolle  die plötzlich auftaucht und die Statue besprühen will, ist eine Aktivistin, mutig, rücksichtslos, aber da ist auch dieser Funke Charme, durch den man sich in sie verlieben kann. Nicht viel, aber vorhanden. Da ist die Kunst der präzisen Personenführung. Man sieht sie auch im zweiten Paar, das Angela Falkenhan und Moritz Peschke verkörpern. Das Bühnenbild sieht unspektakulär aus, doch am Ende versteht man, dass es sich um die Installation handelt, mit der Evelyn ihre Arbeit präsentiert, die Umgestaltung eines menschlichen Lebens. Eine perfekte optische Entsprechung zu Neil LaButes grandiosem Theaterkniff, der am Schluss richtig weh tut. Ein ausgezeichnetes Regiedebut, herzliche Gratulation an Andrea Loibner. (StK)


Publikumspreis
2.000 Euro, gestiftet von der Stiftung Kultur und Bildung der Stadtsparkasse Oberhausen
Jürgen Sarkiss, Schauspieler

Mit einer Abstimmung durch das Publikum wird in jeder Spielzeit der beliebteste Schauspieler oder die beliebteste Schauspielerin des Theater Oberhausen gewählt.

In der Spielzeit 2016/17 entfiel die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen auf den Schauspieler Jürgen Sarkiss, der somit den Publikumspreis zum Oberhausener Theaterpreis 2017 erhält.

Die Preise wurden am 23. Juni 2017 im Großen Haus des Theater Oberhausen verliehen.

Die Preisträger 1995-2016

 

Oberhausener Theaterpreis 2016

1. Jurypreis Stef Lernous & Sven Van Kuijk, Regie und Bühnenbild
2. JurypreisAnja Schweitzer, Schauspielerin
3. Jurypreis Peter Carp, Regisseur
Günther-Büch-Nachwuchspreis Bastian Kabuth, Regisseur
Publikumspreis Henry Meyer, Schauspieler

Oberhausener Theaterpreis 2015

1. Jurypreis Andriy Zholdak, Regisseur
2. Jurypreis Moritz Peschke, Schauspieler
3. Jurypreis Laura Angelina Palacios, Schauspielerin
Günther-Büch-Nachwuchspreis Pascal Nöldner, Schauspieler (und Multitalent)
Publikumspreis Jürgen Sarkiss, Schauspieler

Oberhausener Theaterpreis 2014

1. Jurypreis Simon Stone, Regisseur
2. Jurypreis Bram Jansen, Regisseur
3. Jurypreis Peter Waros, Schauspieler
Günther-Büch-Nachwuchspreis Moritz Peschke, Schauspieler
Publikumspreis Lise Wolle, Schauspielerin
 

Oberhausener Theaterpreis 2013

1. Jurypreis Klaus Zwick, Schauspieler
2. Jurypreis Angela Falkenhan, Schauspielerin
3. Jurypreis Lily Sykes, Regisseurin
Günther-Büch-Nachwuchspreis Anna Ignatieva, Kostümbildnerin
Publikumspreis Sergej Lubic, Schauspieler


Oberhausener Theaterpreis 2012

1. Jurypreis Karsten Dahlem, Regisseur
2. Jurypreis Kaspar Zwimpfer, Bühnenbildner
3. Jurypreis Susanne Burkhard, Schauspielerin
Günther-Büch-Nachwuchspreis Eike Weinreich, Schauspieler
Sonderpreis geheimagentur
Publikumspreis Jürgen Sarkiss, Schauspieler


Oberhausener Theaterpreis 2011

1. Jurypreis Manja Kuhl, Schauspielerin
2. Jurypreis Martin Hohner, Schauspieler
3. Jurypreis Victoria Behr, Kostümbildnerin
Günther-Büch-Nachwuchspreis Christian Quitschke, Regisseur
Publikumspreis Manja Kuhl, Schauspielerin


Oberhausener Theaterpreis 2010

1. Jurypreis Roland Spohr, Regisseur
2. Jurypreis Henry Meyer, Schauspieler
3. Jurypreis Caspar Kaeser, Schauspieler
Günther-Büch-Nachwuchspreis Manja Kuhl, Schauspielerin
Publikumspreis Jürgen Sarkiss, Schauspieler


Oberhausener Theaterpreis 2009

1. Jurypreis Herbert Fritsch, Regisseur
2. Jurypreis Angela Falkenhan, Schauspielerin
3. Jurypreis Björn Gabriel , Schauspieler
Günther-Büch-Nachwuchspreis Nora Buzalka, Schauspielerin
Publikumspreis Torsten Bauer, Schauspieler


Oberhausener Theaterpreis 2008

1. Jur

Theater Oberhausen
Will-Quadflieg-Platz 1
46045 Oberhausen