v.l. Elisabeth Hoppe, Christian Bayer | Foto Karl-Bernd Karwasz 

Stanislaw Lem

Der futurologische Kongress

Aus Ijon Tichys Erinnerungen

Wer die Sorgen der Erde satt hat, fliege in die Galaxis und gedenke so, das Ärgste zu versäumen. Ijon Tichy hat bisher auf Heimflügen allerdings eher angstvoll durchs Fenster gelugt, in Sorge, statt des Erdballs ein Ding wie eine Bratkartoffel vorzufinden. Und so reist der berühmte Weltraumfahrer nur widerwillig zum achten futurologischen Kongress. Schließlich erwartet die ganze Welt seine Teilnahme.

Während Tichy sich, zunächst nach Ablenkung suchend, im 106-stöckigen Hilton Hotel, in dem der Kongress stattfindet, rumtreibt, kämpft draußen in den Straßen eine rücksichtslose Militärregierung gegen die Aufständischen. Dabei werden chemische Kampfstoffe erprobt. Schnell ist auch das Hotel nicht mehr sicher und die Teilnehmer flüchten – schon unter Einfluss der psychoaktiven Stoffe – in die Kanalisation. Tichy wird nach schweren Verletzungen in Kühlschlaf versetzt und erwacht im Jahr 2039. Alle Probleme scheinen gelöst. Das Zeitalter der Psychemie ist angebrochen und damit die Beeinflussung aller Sinneswahrnehmungen durch chemische Mittel, die ganz die menschliche Existenz durchdringen, so dass es keine Wirklichkeit mehr gibt, die nicht chemisch manipuliert wäre. Schließlich trifft Tichy Professor Trottelreiner vom Kongress wieder und erhält ein Gegenmittel – doch ob dies sämtliche Täuschungen aufzulösen vermag?

Der polnische Autor Stanislaw Lem (1921-2006) hat als visionärer Skeptiker für Furore gesorgt. Seine Werke haben Millionen begeistert. Allein in deutscher Übersetzung wurden seit den 1960er Jahren 7,5 Millionen seiner Bücher verkauft. Er gilt weltweit als einer der wichtigsten Science-FictionSchriftsteller. Im 1971 erschienenen Roman „Der futurologische Kongress“ imaginiert Lem den wachsenden Einfluss von Chemie und Technik. Haben wir mit der Narkotisierung längst begonnen, um die Zivilisation zu ertragen?

Regisseur Tomas Schweigen (*1977) greift bevorzugt auf Prosatexte zu und erzeugt mit seinen Inszenierungen spannende Reibungsflächen zwischen Bühnengeschehen und Literatur. 2004 gründete er die Kompanie „Far A Day Cage“. Seine ästhetisch und inhaltlich eigenwilligen Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet und zu zahlreichen Festivals eingeladen. Seit 2015/2016 ist er Künstlerischer Leiter am Schauspielhaus Wien.

Zusatzangebote:

Mini-Kongress 22.-23.6.2018
In den Arbeitsräumen des Theaters entsteht ein Denk- und Debattierraum: Wir sprechen über die Inszenierung „Der futurologische Kongress“, die Ausstattung, das Besetzungs- und Erzählkonzept sowie den Einsatz von Sound. Über mehrere Gesprächsrunden tauschen wir in wechselnden Konstellationen Gedanken und Ideen aus. Nehmen Sie also Platz und lassen Sie sich von den beteiligten Künstler*innen, von Studierenden der Medienkulturwissenschaften und Ihren Tischnachbar*innen inspirieren! Mehr Infos gibt es hier.

Expert*innengespräch zum Realitätsgehalt von Lems fiktiven Welten am 1.7.2018
zu Gast: Gabriele Gramelsberger (Medien- und Wissenschaftsphilosophin, RWTH Aachen). Mehr Infos gibt es hier.

Lem-Onade und Wodka Lem-On im Gdanska: Um den polnischen Schriftsteller und Autor Stanis?aw Lem gebührend zu feiern, werden im Oberhausener Kulturcafé Gdanska am Altmarkt ab der Premiere von „Der futurologische Kongress“ zwei thematisch passende Drinks angeboten: LEMonade und Wodka LEMon. Wer eine Theaterkarte vom „Futurologischen Kongress“ dabei hat, bekommt die Drinks zum halben Preis.

 

 

Schauspiel
Großes Haus

Premiere
02.02.2018, 19:30 h

Theater Oberhausen
Will-Quadflieg-Platz 1
46045 Oberhausen