Lockdown-Kolumne

 

Leere Gänge. Leere Bühne. Leere Ränge. Das Theater steht still. Scheint so. Hinter leerer Kulisse nämlich lebt es, atmet es und wir sind voll da. Jede*r für sich – denn wirarbeiten soweit es geht von zu Hause aus – und alle zusammen, denn wir versuchen – trotz konsequenter Kontaktvermeidung – den gemeinsamen Prozess des Theatermachens durch die Pandemie zu retten und suchen nach Wegen, ihn mit Ihnen zu teilen. Neuen Wegen. Der Regisseur und Videokünstler Bert Zander, der das Theater Oberhausen mit „Die Pest“ schon im vergangenen Frühjahr erfolgreich durch den Lockdown und in die überregionalen Schlagzeilen brachte, erarbeitet in täglichen Videokonferenzen mit den Schauspieler*innen Torsten Bauer, Christian Bayer, Clemens Dönicke, Agnes Lampkin, Anna Polke und Luna Schmid „innen. Nacht“, ein digitales Filmtheater. Intendant Florian Fiedler, der eigentlich gutes altes Sprechtheater an dieser Stelle machen sollte, tritt dafür als Regisseur zurück und unterstützt das Projekt als Dramaturg, Schauspielerin Elisabeth Hoppe, die mit „Frederick“ durch die Kitas und Grundschulen unterwegs gewesen wäre, arbeitet bei der Regie mit. Neue Wege eben. Die geht auch die theater:faktorei, die ihr Programm vollständig auf digital umgestellt hat und mit den Projekten „UtopienSoundSuche“, „Princesses“, „Ein Prozess (nach Franz Kafka)“, True Storytelling" und Nerd Night präsent ist.

Miriam Ibrahim gibt dem „Feministischen Festival“, das längst kein Mini-Festival mehr ist, einen kräftigen Schubs ins Netz und später in den Live-Spielplan. Und natürlich arbeiten wir auch auf eine unbestimmte Zeit hin, in der wir die Premieren „Der Ursprung der Liebe“ und „Im Dickicht der Städte“ zeigen dürfen. Eine Zeit, auf die wir uns gemeinsam freuen. Eine Zeit, in der sich das Theater wieder dadurch auszeichnet, dass Menschen im selben Raum zur selben Zeit für andere Menschen etwas tun. Machen und Zuschauen. Gleichzeitig dieselbe Luft atmend. Und die ist, wie das Fraunhofer Institut gerade herausfand, in den Theaterhäusern dieses Landes richtig gut.

 

Bis ganz bald,
Ihre Simone Sterr

 

 

 

Schauspiel

Theater Oberhausen
Will-Quadflieg-Platz 1
46045 Oberhausen