Kleiner Mann – was nun?

Falladas „Lämmchen“ zeigt Wut und Stärke
In „Kleiner Mann – was nun?“ spielen Julius Janosch Schulte und Shari Asha Crosson gekonnt mit dem Abstandsgebot und mit absurden Requisiten. Erste Premiere der neuen Spielzeit im Saal 2

Die Kunst der äußersten Verknappung wird zu einer notwendigen Regie-Tugend. Gerade in einer Zeit, in der die darstellende Kunst so knapp gehalten wurde. Knappe eineinviertel Stunden währte diese erste Aufführung der neuen Spielzeit. Doch Hausregisseurin Babett Grube gelangte mit dieser Verdichtung des 400-Seiten-Romans tatsächlich zu einer Essenz von Hans Falladas großer Erzählung aus der Weltwirtschaftskrise. (…)

Wie verdruckst-komödiantisch Shari Asha Crosson und Julius Janosch Schulte dieses erste Kennenlernen spielen, zitiert auch den augenrollenden Stummfilm-Charme der 1920er und kommt mit wenigen, zunächst noch gestammelten Worten aus. Das Publikum, das sich auf einem Sammelsurium von Stühlen, Polstersesseln und ein paar Zweiersofas verteilt, als säße es im Wohnzimmer der Pinnebergs, hat dieses Paar mit seiner nuancierten Spielfreude sofort für sich eingenommen.

Pantomimisch gewitzt spielen sie mit dem Abstandsgebot (das ja auch fürs Ensemble gilt): Er wirft ihr den Hochzeitsring an den Finger, sie pustet den Reif zu ihm hinüber. Klaus Zwick poltert in diese innige Zweisamkeit als Inkarnation der bösen Welt: Er gibt die mal aasigen, mal verlogen-jovialen Vorgesetzten, gegen die sich der ‚Kleine Mann‘ Johannes Pinneberg kaum zu behaupten weiß. (…)

In seinem Traumberuf als Herrenmodenverkäufer hat der ‚Kleine Mann‘ ohnehin keine Chance. Der Chef will die Angestellten nach den von ihnen erzielten Umsätzen bezahlen. ‚Niemand sei niemandes Diener‘, tönt der schnöselige Kunde (natürlich wieder Klaus Zwick), der sich alles zeigen lässt, aber nichts kaufen will. Den auf die Knie rutschenden Verkäufer herrscht er an: ‚Merken Sie nicht, wie erniedrigend das ist?‘

Doch, er merkt es allzu gut. Im Schlussbild ist Johannes zusammengesunken. Um ihn herum ackert Lämmchen, nennt ihren Mann zärtlich-fordernd „Junge!“ und räumt das groteske Grünzeug aus dem Bühnenbild. Schließlich erzählt er, wie er in einem Kaufhaus-Schaufenster über eine abgerissene Gestalt erschrak und sie als sein Spiegelbild erkannte. Der Gedemütigte kann sich nicht mehr ansehen. ‚Aber mich‘, sagt Lämmchen, ‚kannst Du doch anschauen, immer und immer‘.

(NRZ/WAZ, Ralph Wilms, 28.9.2020)

Schauspiel
Saal 2

Termine

SA, 11.12.2021 19:30 Uhr
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten

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SA, 18.12.2021 19:30 Uhr
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten

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SO, 19.12.2021 16:00 Uhr
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten

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Theater Oberhausen
Will-Quadflieg-Platz 1
46045 Oberhausen