Foto Isabel Machado Rios 

The Sun Died

Eine utopisch-poetische, choreographische Inszenierung auf Rollschuhen.


Premiere am 9. Oktober 2021 im GASOMETER.

-> Audio-Einführung

(den dazugehörigen Text finden Sie weiter unten)
 

„Imagine you are falling. But there is no ground...“  Hito Steyerl
(„Stell Dir vor Du fällst, aber es gibt keinen Boden.")  

Die Sonne strahlt groß und mächtig über uns, sie ist Zentrum unseres Seins. Die Vorstellung, dass dies einmal nicht so sein wird, ist unvorstellbar.  

Jeremy Nedd, inspiriert durch Ray Charles Interpretation von “The Sun Died”, stellt sich dieser Dystopie und untersucht die unterschiedlichen Phasen der Trauer, die die Performerinnen in den utopischen Ort des Gasometers mit ihren scheinbar schwebenden Körpern einschreiben. Angenommen mensch fällt, doch es gibt keinen Boden, nichts, was Orientierung bieten oder Anziehung bestimmen könnte – in welchem Zustand und an welchem Ort befänden wir uns? 

Es gilt die 3G-Regel – geimpft, genesen, getestet. Bitte denken Sie an den entsprechenden Nachweis!


Hinweis: Der Gasometer ist schön, aber kalt. Bitte denken Sie an warme Kleidung.

 

 

Einführungstext THE SUN DIED 


Schön, dass Sie eingeschaltet haben. Willkommen bei der Audio-Einführung zu der Theaterproduktion vom Theater Oberhausen in Kooperation mit dem Gasometer: THE SUN DIED.

Die Idee zu THE SUN DIED von Jeremy Nedd entstand schon weit vor seinem ersten Besuch im Gasometer und auch vor dem Beginn der Zusammenarbeit mit dem Theater Oberhausen.

Jeremy Nedd ist in Brooklyn (NYC) geboren und aufgewachsen, schloss dort seine Tanzausbildung ab, bevor es ihn als Tänzer an die Semperoper nach Dresden und ans Ballett Basel verschlug. Anschließend absolvierte er in Bern seinen Master in “Expanded Theatre”. Würde Jeremy Nedd nicht am Theater arbeiten, wäre er gerne Astronaut geworden. Als er den Song “The Sun Died” von Ray Charles hörte, war er nicht nur bewegt von der Stimme, der Melodie und dem Text, die den Zustand einer verlorenen Liebe ausdrücken, sondern vor allem auch fasziniert von dem Gedanken: Was wäre, wenn die Sonne wirklich sterben würde? Bei seinem Besuch im Gasometer bekam diese Idee einen Ort, an dem er seine Gedanken theatral umsetzen konnte.

Der Gasometer wurde 1929 zum ersten Mal in Betrieb genommen und galt als Meisterwerk der Ingenieursbaukunst. Er versorgte die Region mit Gichtgas und Koksgas, bis er schließlich und endgültig 1988 stillgelegt wurde. Heute ist der Gasometer eine Ausstellungshalle und gilt als Wahrzeichen der Stadt Oberhausen.  Fast jede Person, die das erste Mal die Treppen in den Gasraum erklimmt, staunt und ist verblüfft von der Welt, die sich ihr eröffnet. Die Höhe des Raumes, die Akustik und Atmosphäre, die diesem Ort innewohnen, sind einzigartig. Mit dem Fahrstuhl auf 117 Meter ganz nach oben zu fahren kann atemberaubend sein.

Dieser besondere Ort bestimmt nun auch die ästhetische Umsetzung der Produktion von THE SUN DIED. Als Zuschauende werden Sie schon bei Ihrer Ankunft die Einzigartigkeit des Gasometers bewundern können: wenn Sie über den Kiesweg zum Eingang marschieren, über die Eisentreppen oder den Aufzug die zweite Etage erklimmen und dort dann in eine andere Welt ab- und eintauchen. Der strahlende Sonnenball schwebt mächtig hoch über den Köpfen. Darunter sieben gleitende Körper, die scheinbar schon ewig um ihn kreisen. Man kann diese Körper als Menschen lesen, aber metaphorisch auch als Gestirne, Sonnenstaub, Atome oder was auch immer Ihnen in den Sinn kommen mag.   Jeremy Nedds Arbeit fordert Sie auf selbst zu analysieren und mit zu reflektieren. Seine Arbeit will keine ‘klaren’ Antworten geben, im Gegenteil, sie eröffnet viele Möglichkeiten der Interpretation, die die Komplexität von Phänomenen spürbar und erfahrbar macht. In der Reduktion versucht Jeremy Nedd die Wahrhaftigkeit der Dinge und Bilder sprechen zu lassen.   

Die Probenarbeit von THE SUN DIED gestaltete sich aus vielen Gesprächen über Verlust und den Umgang mit Trauer. Die einzelnen Phasen der Trauer wurden körperlich und stimmlich während verschiedener Improvisationen erforscht und im Verlauf des Probenprozesses in choregraphischen Bildern zusammengestellt. 

Dieser Theaterbesuch wird Sie zum Mitdenken, Mitfühlen und zur Reflektion einlade – in der Hoffnung, dass diese gemeinsame Reise Sie ermutigt auf Unbekanntes zuzugehen. Ja, auch in der Angst vor dem Ungewissen Freude und Sinn zu finden, sich einzulassen auf das Neue, auf den Wandel. Und nach einem Verlust und einer Veränderung den Neubeginn als Chance zu begreifen – als Transformation... Eben so, wie auch der Gasometer kein Gas mehr speichert, sondern eine Stätte des Verzauberns ist, die weit über die Stadtgrenzen Oberhausens strahlt.   

Wir wünschen Ihnen eine inspirierende Reise.

Schauspiel
Extras

Premiere
09.10.2021

Theater Oberhausen
Will-Quadflieg-Platz 1
46045 Oberhausen