Foto Katrin Ribbe 

Anna Seghers

Transit


Premiere am 6. Mai 2022 auf der Probebühne 2, Lessingstraße 13

Alles war auf der Flucht, alles war nur vorübergehend, aber wir wußten noch nicht, ob dieser Zustand bis morgen dauern würde oder noch ein paar Wochen oder Jahre oder gar unser ganzes Leben.“

In der überfüllten Hafenstadt Marseille suchen im Sommer 1940 tausende geflüchtete Menschen einen Weg heraus aus Europa. Sie hoffen verzweifelt auf eine der wenigen Schiffspassagen, um nach Übersee ins rettende Exil zu entkommen. Sie verbringen ihre Tage auf Konsulaten, in Reisebüros und auf Schifffahrtsgesellschaften, immer auf der Jagd nach dem nötigen Visum, Transit oder Visa de sortie. Anders ein junger Deutscher unter ihnen: aus einem deutschen und französischen Lager geflohen, möchte er in Marseille bleiben und endlich zur Ruhe kommen. Durch einen Zufall gelangt er in den Besitz fremder Papiere. Er verbringt seine Zeit auf den Straßen und in den Cafés und begegnet dort Marie. Im Chaos der Stadt sucht sie ihren Mann, sie ist auf ihn angewiesen, er hat das rettende Visum für Mexiko, wurde aber beim Einmarsch der Deutschen in Paris von ihr getrennt. An seinen Tod will sie nicht glauben. Der junge Deutsche ist fasziniert von Marie, er verliebt sich in sie und träumt von einem einfachen, gemeinsamen Leben in Sicherheit und Frieden. Sie weiß nicht, dass er die Identität ihres verstorbenen Mannes angenommen hat.

Zusammen mit dem Videokünstler Benjamin Krieg hat Hakan Savaş Mican 2018 eine Reise durch Europa unternommen. Die dabei entstandenen Videos und das Reisetagebuch verwebt der Regisseur mit Seghers‘ berührend verstörender Flucht- und Liebesgeschichte. Er überwindet die geographischen und zeitlichen Grenzen und teilt einen sehr persönlichen Blick auf das heutige Europa aus der Perspektive der Arbeitsmigration.

 

Es gibt ein starkes Gefühl in Seghers’ Roman, das mir sehr nah ist. Obwohl meine Eltern zwischen 1969 und 1999 in Deutschland gelebt haben, waren ihre Gedanken woanders. Sie haben immer davon geträumt, genug Geld zu verdienen, um eines Tages in die Türkei zurückzukehren. Ihr Leben fühlte sich wie ein langer Übergang an und dieses Gefühl beeinflusste alles. Sie dachten immer, ein Leben woanders renne weg, und sie müssten schnell dorthin. Genau dieses Gefühl finde ich in Anna Seghers’ Roman. Im Fall meiner Eltern war es eine Wahl, nach Deutschland zu kommen. Seghers’ Figuren haben keine Wahl. Sie fliehen vor dem Krieg und kämpfen ums nackte Überleben. Sie sind dauernd unterwegs und stets unruhig und rastlos. Deswegen erinnern mich die Figuren von ‚Transit‘, die von einem besseren Leben an einem anderen Ort träumen, an meine Eltern und deren Lebensgefühl.“ (Hakan Savaş Mican)
 

Hier gibt es das Programmheft als Download.

 

Hakan Savaş Mican, 1978 in Berlin geboren und in der Türkei aufgewachsen, ist Filmemacher, Theaterautor und Regisseur. Ende der 90er Jahre zog er nach Berlin zurück, erwarb dort sein Diplom in Architektur und studierte anschließend Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Während des Studiums drehte er Spiel- und Dokumentarfilme für ARTE und den RBB. Seit 2008 arbeitet Mican am Theater. Er inszenierte u. a. am Ballhaus Naunynstraße, Volkstheater München, Thalia Theater Hamburg und seit 2013 als Hausregisseur am Maxim Gorki Theater Berlin.

Schauspiel
Probebühne Lessingstraße 13

Premiere
06.05.2022, 19:30 h

Termine

FR, 27.05.2022 19:30 Uhr

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SO, 29.05.2022 18:00 Uhr

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FR, 03.06.2022 19:30 Uhr

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Theater Oberhausen
Will-Quadflieg-Platz 1
46045 Oberhausen