Foto Katrin Ribbe 

 

Transit

„Auf der Probebühne vereint Micans Inszenierung nicht allein mediterrane Melancholie nach Noten mit dem großen Text von Seghers Exilroman. Der Regisseur hat auch seine eigenen essayistischen Notizen einer Europareise – und dazu die Filmbilder von Benjamin Krieg – in diese dichte Fassung verwoben.

Zu viel für eine zweistündige Premiere? Dieses ‚Transit‘, nun von zwei Autoren, fordert Aufmerksamkeit. Doch die straffe Inszenierung glänzt mit perfektem Timing. Sie bleibt stets zugänglich – vor allem dank dieses nicht nur musikalisch großartig aufspielenden Septetts auf der Bühne, das Sylvia Rieger dezent im Look von 1940 ausgestattet hat. (…)

Die Reibung zwischen den Projektionen und dem mit Verve agierenden Ensemble in seinen etwas abgetragen wirkenden Emigranten-Kostümen, die zugleich mit Kragen und Krawatte für dieses letzte Bemühen um Bürgerlichkeit stehen, hat Esprit. (…) Den schnoddrig-unterkühlten Ton, mit dem Anna Seghers Schicksale in Fülle auf jeweils wenigen Buchseiten abhandelte, beherrschen auf der Bühne alle perfekt. Dennoch gehört Schultes Leistung herausgehoben: weil dieser Schlaks das Bröckeln seiner kühlen Distanz durch die meist herben Worte nachdrücklich spürbar macht. Luna Schmid als geliebte und zugleich auf Abstand gehaltene Marie ist ihm ein perfektes Pendant: In den Dialogen ebenso cool wie er, zeigt sie die großen Gefühle in den berückenden Songs dieses Abends. (…)

Kleine Wunder an Prägnanz zeigt das gesamte Ensemble: Daniel Rothaug, der als Arzt und Maries Geliebter die ‚Casablanca‘-Konstellation komplettiert (und eine heftig rockende Ukulele drischt); Klaus Zwick, der als Kapellmeister auf dem Weg nach Caracas aus den Absurditäten um Visa, Transit-Papiere und ‚Sauf Conduit‘-Stempel zeitlos-grimmiges Kabarett knetet. Agnes Lampkin tritt immer dann von ihrem gewaltigen Marimbaphon hervor, wenn es gilt, ergreifend-herzlose Concierges zu spielen.

Anhaltender Applaus dankt für einen großen Theaterabend, bei dem eben nicht nur die virtuosen Lautenklänge von Cham Saloum lange nachhallen.

(Ralph Wilms, NRZ/WAZ, 8.5.2022)

Schauspiel
Probebühne Lessingstraße 13

Premiere
06.05.2022, 19:30 h

Termine

MI, 18.05.2022 19:30 Uhr

Karten bestellen

SA, 21.05.2022 19:30 Uhr

Karten bestellen

SO, 22.05.2022 18:00 Uhr

Karten bestellen

SO, 22.05.2022 19:30 Uhr

Karten bestellen

FR, 27.05.2022 19:30 Uhr

Karten bestellen

SO, 29.05.2022 18:00 Uhr

Karten bestellen

FR, 03.06.2022 19:30 Uhr

Karten bestellen

Theater Oberhausen
Will-Quadflieg-Platz 1
46045 Oberhausen